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Wie ein kleiner Kater ein Zuhause fand - Blacky erzählt

erhalten am 25. Mai 2005
von Rolf Sauer

Ich bin glücklich - Ansichten eines Katers

Woher ich kam? Ich weiß es nicht. Ob ich ausgesetzt oder entlaufen war? Keinen blassen Schimmer! Gesucht hatte mich an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit niemand. Irgendeiner erbärmlich verkümmerten Menschenseele war mein Schicksal wohl egal.

Drei Monate war ich vermutlich alt. Und da wollte ich Winzling mir meine künftigen Zweibeiner selbst aussuchen. Das war nicht ohne Risiko. Was hätte alles passieren können! Aber es ging gut, was gut gehen musste: Da stand er nun im Hof, der Typ, und blickte mich noch recht kleines Knäuel verwundert an, kniete sich nieder und streichelte mich zärtlich. Als er sich wieder aufrichtete und wortlos ging, folgte ich ihm fast lautlos die Treppen in seine Wohnung hinauf. Dann blieb ich für immer. Eine glückliche, wenn auch zuweilen Konflikt beladene Freundschaft begann.

Wie ich heiße? Gestatten Sie, dass ich mich vorstelle! Neulich meinte einer von der überklugen Sorte Mensch mit zwanghaft anmutendem Humor von mir, ich sei eine Katze, die sogar ihren eigenen Namen aussprechen könne: "Miau". Aber eigentlich heiße ich Eugenio Quintus Sokrates Tarzan Sauer. Und weil sich das kein Schwein merken kann, rufen mich alle wegen meines völlig schwarzen Felles Blacky. Gott sei Dank sind mein Frauchen und mein Herrchen nicht abergläubisch. Und obwohl ich ein grober, unflätiger und zuweilen auch ein beleidigender Kerl bin, sind sie verliebt in mich. Das behaupten sie jedenfalls stock und steif.

Beide sind für mich mit anderen Worten meine "Dosenöffner", genau so wie mein Freund "Blaubart" aus dem Katzenkrimi "Felidae" seine menschlichen Hausgenossen nennt. Jedes Mal, wenn meine Herrschaften mir etwas zu futtern geben, machen sie eine Dose auf. Welch eine Einfallslosigkeit! In Wirklichkeit bin ich ein Feinschmecker! Und welch ein Jammer: als Stubentiger gibt es für mich nicht einmal eine Maus zu jagen geschweige denn zu nagen! Nun ja, ich sollte nicht motzen, denn seit geraumer Zeit verschlinge ich als gesundheitsbewusster Kater nur noch Diätfutter vom Veterinär, denn mit meinen Nierenwerten steht es nicht zum Besten. Wider Erwarten fresse ich es sogar am Liebsten.

Früher hatte ich schnell die Schnauze voll, wenn sie mir einen nach meinem Geschmack verabscheuungswürdigen Fraß servierten. Manchmal war es besser, ihn in Todes verachtender Manier schnell wegzuputzen, denn sie machten ein elendigliches Tam-Tam, wenn ich nicht fressen wollte. War aber der Doseninhalt für mich völlig inakzeptabel, verfiel ich sofort in einen derart ohrenbetäubenden und atonalen, unmelodischen Jammergesang bis - zuweilen wie aus Zauberhand - etwas Wohlgefälliges vor mir stand, das meinen für Menschen unerklärlichen Gaumenfreuden entsprach. Diese Methode funktioniert übrigens unfehlbar bei allem, was ich - und sei es auch gewalttätig - erreichen möchte.

Seit mehr als einem Jahr ist mein Herrchen im Vorruhestand. Davor stand er viele Jahre lang des Morgens um sechs Uhr auf, gab mir zu Fressen, frühstückte und ging zur Arbeit. Als der Kerl nicht mehr so früh aus den Federn musste, sah er es unbarmherzig als meine erste Bürgerpflicht an, zwei weitere Stunden Ruhe zu geben bis er sich dann gegen acht Uhr endlich herabließ, meine Hungergefühle zu stillen.

Es war für mich in dieser Zeit nicht einfach, ruhig zu bleiben, wenn ich einen Bärenhunger verspürte. Kurz und gut, irgendwann hielt ich die neue Regelung nicht mehr aus. Jetzt traktiere ich ihn zur Strafe sogar schon morgens um fünf Uhr in seinem Bett, indem ich abwechslungsweise über ihn hinweg renne, ihn in seine Füße kralle oder seine Haare und Gesicht lecke. Das hilft fast immer. Wenn nicht, mache ich das gleiche Spiel mit meinem Frauchen. Einer von beiden wirft dann zwangsläufig das Handtuch, steht auf und gibt meinem Begehren nach etwas Verdauungswürdigem nach.

Im Grunde sind meine Dosenöffner völlig in Ordnung. Mein Frauchen ist ganz besonders lieb zu mir und nimmt sich die meiste Zeit für mich. Manchmal jedoch muss ich beiden unmissverständlich zeigen, was Sache ist und wo der Bartel den Most holt. Wenn ich aber Zuneigung brauche, umgarne ich sie mit meinen verführerischen Blicken und fange an zu schnurren. Das wirkt! Dann streicheln mich zärtliche Hände und in meinen Ohren erklingen genussvoll die lang ersehnten liebkosenden Worte. Ich kenne meine Pappenheimer!

Eigentlich bin ich mit meinen Charaktereigenschaften zufrieden. Sicherlich wollt Ihr auch meine Vorzüge und Fehler wissen: Ich füge mich gut ein, bin lebhaft und genieße bis auf wenige Ausnahmen die Gemeinschaft mit meinen Dosenöffnern sehr. Ich bin total anhänglich. Aber als Einzelgänger kann ich andere Katzen nicht ausstehen. Spielen ist meine große Leidenschaft. Auch wenn ich ein großer Erzähler bin, die wirklichen Geheimnisse meiner Dosenöffner kann ich für mich behalten. Ciao, ciao......"

(Copyright Rolf Sauer)

Der kleine Magier

"Wenn ich sie lang genug hypnotisiere, dann krieg ich sie vielleicht an."


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