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Interview

Felicia Ruhland:
"Ich möchte Tieren die Liebe zurück geben, die sie uns bedingungslos schenken"

Wann hast Du Dein Herz für Tiere entdeckt?

Im Alter von sechs Jahren. Damals war mein Pony Charlie mein bester Freund. Es hat mich über die Scheidung meiner Eltern hinweggetröstet. Mit zwölf habe ich einen Hund aus dem Tierheim geholt und im Laufe der Jahre mehrere Pflegepferde versorgt. Tiere sind mein Leben. Deshalb habe ich auch sofort nach meiner Ausbildung zur Gärtnerin und Floristin eine Tierpension in Pforzheim eröffnet. Ich war damals 19 Jahre alt. Viele Menschen haben mein Angebot, ihre Tiere in Pflege zu nehmen, dankbar angenommen. Sie wussten, dass sie sich auf mich verlassen können. Wenn ältere Menschen beispielsweise plötzlich ins Krankenhaus mussten, wussten sie, dass ich mich um ihre Tiere kümmern würde.

Und wie kam es zu dem Gnadenhof?

Immer öfter wurden Hunde nicht mehr von ihren Besitzern abgeholt, Tiere vor meinem Haus angebunden. Die Zahl meiner Schützlinge wurde immer größer. Billy, unser Waschbär, kam als Scheidungswaise zu mir, die Fohlen Manolito und Nicos nahm ich bei mir auf, weil sie keiner wollte. So wurde aus der Pension langsam ein Gnadenhof. Nach zehn Jahren wurde die Autobahn ausgebaut, die ganz in der Nähe lag. Plötzlich hatte ich keine Pferdekoppeln mehr und der Hof sollte abgerissen werden. Dort war kein Platz mehr für Tiere. Drei Monate war ich obdachlos, wusste nicht wohin mit meinen Tieren. Der Tipp meines Rechtsanwaltes: ‚Schaffen Sie endlich die Tiere ab und gehen Sie zum Sozialamt.' Das habe ich natürlich nicht gemacht. Ich bin bei Freunden untergekommen, und viele Menschen haben Tiere bei sich aufgenommen. Ich habe immer daran geglaubt, wieder einen Platz zu finden. Und es hat geklappt! Menschen, die von meinem Schicksal erfahren hatten, veranstalteten ein Benefiz-Wochenende in Pforzheim und stellten mir den Erlös zur Verfügung. Auch große Tierschutzorganisationen unterstützten mich. So konnte ich 1999 den jetzigen Hof zwischen Illingen und Roßwag beziehen und ausbauen.

Was bedeuten Dir Tiere?

Alles! Sie sind mein Lebenselexier. Sie sind mehr als Tiere für mich – Familienmitglieder. Ich kann das schwer in Worte fassen.

Welche Ziele verfolgst Du mit dem Tier- und Gnadenhof animal hope?

Ich möchte gestrandeten und ausgestoßenen Tieren Schutz und ein Zuhause geben und Tieren, die ihr Leben lang den Menschen zu Diensten waren, ihr verdientes Gnadenbrot gewähren. Auf unserem Hof kann ich ihnen ein bisschen von der Liebe zurück geben, die sie uns bedingungslos schenken. Ein wichtiges Ziel von mir ist auch, Menschen und Tiere einander näher zu bringen.

Wie sieht ein ganz normaler Tag bei Dir und Deinen Helfern aus?

Kein Tag ist wie der andere. Es passieren immer wieder unvorhergesehene Dinge. Normalerweise dürfen aber zuallererst die Hunde spazieren gehen. Parallel dazu wird das Hundehaus gereinigt. Anschließend geht alles Schlag auf Schlag. Die Pferde und Ponys werden versorgt und je nach Wetterlage auf die Weide gebracht. Dann sind die Katzen, Schweine und Waschbären an der Reihe. Über den Tag kommen Besucher, werden vermittelte Hunde in ihr neues Zuhause gebracht oder stehen Tierarztbesuche an. Abends gehen wir nochmals mit allen Hunden spazieren.

Woran fehlt es Euch am meisten?

An finanziellen Mitteln. Wir brauchen dringend Hilfe. Ich hoffe, dass wir einen Ort schaffen können, an dem wir bleiben können. Denn unser Pachtvertrag ist begrenzt und läuft in einigen Jahren aus. Unser Verpächter hat uns schon zu verstehen gegeben, dass er ihn nicht verlängern wird. Deshalb suchen wir schon jetzt einen neuen Hof im Enzkreis oder im Vaihinger Raum, den wir günstig pachten oder noch lieber kaufen möchten, vielleicht in Erbpacht. Wir wollen nicht nochmal so viel Geld und Arbeit umsonst in den Ausbau eines Hofes investieren, sondern eine Sicherheit für die Tiere schaffen. Ich möchte einmal im Leben sagen: Ich kann arbeiten ohne die Angst meinen Hof zu verlieren. Ich habe die letzten Jahre nur gekämpft und habe auch nur begrenzte Kräfte.


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