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Reportage - Oktober 2003 - Bietigheimer Zeitung -

Tier- und Gnadenhof vor dem Aus?
Der Tier- und Gnadenhof in Illingen ist in Not geraten:
Leiterin Felicia Ruhland geht das Geld aus.

Als die Besitzer von Ziege Whoopie sich trennten, fand das „Scheidungskind“ schnell ein neues Zuhause. Whoopie lebt nun auf dem Tier- und Gnadenhof in Illingen. Mit ihr werden dort rund hundert weitere Tiere rund um die Uhr von Felicia Ruhland und ehrenamtlichen Helfern versorgt. Das ehemalige Zirkusschwein Fritz etwa oder das blinde Pony Picco, Waschbär Billy oder Schäferhündin Kira. Tiere, die keiner mehr haben möchte und von denen einige nur knapp dem Tod entgangen sind. Nun droht der Auffangstation das finanzielle Aus.

„Ich weiß nicht, wie ich den Gnadenhof ohne regelmäßige Spenden weiterführen soll“, meint Felicia Ruhland. Die 33-Jährige hat vor dreieinhalb Jahren den idyllisch zwischen Illingen und Roßwag gelegenen Hof samt Stallanlage, Scheune und Weiden gepachtet. Während in der Aufbauphase eine bundesweit arbeitende Tierschutzorganisation viele der anfallenden Kosten übernommen hatte, ist Felicia Ruhland heute fast auf sich alleine gestellt. Über ihren Verein animal hope vermittelt sie Patenschaften und organisiert dreimal im Jahr ein Fest zugunsten des Hofes. Außerdem betreibt sie eine kleine Tierpension. Unterstützung gibt es darüber hinaus vom Förderverein des Bundes deutscher Tierfreunde, und ab und zu gehen auch Spenden von Tierliebhabern aus der Umgebung ein. Doch „leider reicht das noch nicht, um die Existenz des Hofes zu sichern“, meint Felicia Ruhland. „Wir benötigen jeden Monat rund 3000 Euro für Pacht, Futter, Wasser, Strom, Medikamente und Tierarztbesuche.“ Eine staatliche Förderung gebe es nicht.

„Ich fühle mich deshalb ständig unter Druck, weiß nie, wie es am nächsten Tag weitergehen soll“, erzählt Felicia Ruhland. „Wenn ich die Pacht nicht rechtzeitig bezahle, kann es sein, dass ich morgen mit meinen Tieren auf der Straße stehe.“ Das sei psychisch und körperlich eine große Belastung für sie. Einfach aufgeben möchte sie jedoch trotzdem nicht, denn „Tieren zu helfen ist mein Leben. Ich fühle mich für jedes einzelne verantwortlich.“

Felicia Ruhland hofft, Sponsoren zu finden und mit deren Hilfe etwas Dauerhaftes schaffen zu können, einen Platz für Tiere – und auch für Menschen. Vor wenigen Wochen war der Verein Sonnenkäfer aus Vaihingen/Enz bei animal hope e.V. zu Gast. Die Kinder verbrachten einen fröhlichen Vormittag auf dem Gnadenhof und hatten beim Ponyreiten und anderen Aktivitäten viel Spass. „An diesem Tag habe ich einmal wieder gemerkt, dass ich nicht nur Tieren helfen kann, sondern durch meine Tiere auch Kindern ein besonderes Erlebnis schaffen kann.

Gerne würde sie – selbst Mutter zweier Kinder – künftig auch therapeutisches Reiten für behinderte Kinder anbieten. Ob sich dieser Wunsch erfüllen wird, ist fraglich, denn neben chronischem Geldmangel bedrückt Felicia Ruhland noch eine weitere Tatsache: In fünf Jahren läuft der Pachtvertrag für den Hof in Illingen aus, eine Verlängerung ist nicht in Sicht. Was danach kommt, steht in den Sternen. „Ich habe bereits begonnen, mich nach einem neuen Hof umzusehen, den ich günstig pachten oder sogar kaufen kann. Ich brauche dringend finanzielle Unterstützung von Menschen, die gut finden, was ich hier mache“, sagt die Tierfreundin und fügt leise hinzu: „Es gibt jeden Tag Wunder, und eines Tages wird auch hier eines einkehren, da bin ich mir ganz sicher…“ Felicia Ruhland lächelt. Dann wendet sie sich wieder ihren täglichen Verpflichtungen zu. Whoopie wartet auf ihr Futter.


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